Theater Freiburg

»Art of the Cities«

Liebe Besucher*innen, herzlich willkommen!

Nach Dresden (2014) und Mannheim (2015) richtet in diesem Jahr das Theater Freiburg das 3. Internationale Bürgerbühnenfestival aus. Die Bürgerbühnen an Stadttheatern, die übrigens nicht immer so heißen, sind eine experimentelle Bewegung, neue Formen, neue Akteure, neue Themen ins Repertoire aufzunehmen. Wohin diese Bewegung künstlerisch steuert, wie sie die Institution verändern kann, dafür will dieses Festival eine Bestandsaufnahme sein, darüber werden wir Debatten führen.Aber nicht nur an „Bürgerbühnen“ entstehen spannende Inszenierungen mit nicht-professionellen Darstellern*innen, sie entstehen auch in der freien Szene, in internationalen Koproduktionen und in anderen Ländern mit anderen Produktionsmodellen. In der Recherche der Programmjury hat die Beschäftigung mit den „Randlagen” Europas eine wichtige Rolle gespielt. Dort sieht man immer wieder, dass interessante Arbeiten gekoppelt sind an unkonventionelle Produktionsideen, die längerfristig kreative Probenbedingungen ermöglichen, die im besten Sinne für politische Selbstermächtigung stehen und die Schubkräfte für gesellschaftliche Veränderung werden können. Manchmal ist es die Institution einer Schule für Behinderte, manchmal eine als „Komuna“ gemietete Fabriketage, manchmal wird ein kleines Theater zur Anlaufstelle für Bürgerkriegsflüchtlinge.

Im Fokus der Festivalauswahl stehen politische Arbeiten, die den Umständen der Zeit aus ihrer jeweils speziellen Perspektive ins Auge schauen. Aus der Kombination von Thema, Entstehungsort, den Akteuren und der gewählten künstlerischen Form beziehen sie ihre Brisanz und ihre Qualität. Seit Sommer 2016 hat eine unabhängige Jury rund hundert Produktionen gesichtet. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an unsere Kooperationspartner, besonders an das Theater im Marienbad, das uns bei der Programmauswahl beratend zur Seite stand.

Wir haben Künstler*innen aus Polen, Spanien, Nigeria, Griechenland, Ungarn, Großbritannien, aus der Ukraine und aus Deutschland eingeladen, um ihre Arbeit vorzustellen, in Form von neun Inszenierungen, aber auch durch Vorträge, Gespräche, Workshops und Filme.

In Zeiten, in denen das „Wir“ wieder als Schlagwort gegen „die anderen“ gebraucht wird, scheint eine partizipative, politische Theaterkunst umso wichtiger. Wenn gesellschaftliche Räume zugehen, wo und in welchen Gruppen verteidigen wir sie? Zurück zur „Bürgerbühne“! Der Begriff des Bürgers ist heute Synonym für einen privilegierten Status, per Gesetzesdefinition:  „Angehöriger eines Staates oder einer Kommune, eine mit politischer Entscheidungsgewalt ausgestattete Person.“ Wer ist heute wo angehörig oder zugehörig? Wer hat das Recht sich Gehör zu verschaffen – auf einer Bühne oder anderswo? Wer sind wir heute?

Wir wünschen Ihnen inspirierende Theatervorstellungen, gute Debatten und heiße Parties!