Die Türmer von Freiburg

Konzeption

Die »Bürgerbühnen« an deutschen Stadttheatern haben in den letzten Jahren eine große Erfolgsgeschichte erlebt. Theaterstücke, die von Laien unter professionellen Bedingungen entwickelt werden, brachten andere Themen und andere Formen auf die Bühne und sind ein Stück künstlerischer Zukunft des institutionalisierten Theaters geworden. In Freiburg gibt es zwar keine »Bürgerbühne«, dafür aber eine jahrelange Suchbewegung, wie man in allen Sparten, Schauspiel, Tanz und Oper, partizipative Inszenierungen und neue Formate anstoßen kann. Zeit also, als Gastgeber zu fungieren für zehn internationale Produktionen, die alle einen ganz spezifischen Zugriff gewählt haben für ihre Geschichte oder ihr Thema, das an diesem Ort, mit diesen Menschen erzählt werden muss. Das Festival präsentiert neben Produktionen verschiedener »Bürgerbühnen« auch Produktionen anderer Traditionen, wie britisches »Community Theatre«, oder es blickt nach Osteuropa und Griechenland, wo die politischen Verhältnisse ein neues politisches Handeln in Form von Theaterkunst förmlich erzwingen. Eine Plattform also für Entstehungsimpulse, Produktionswege und Formate. Besonders erwünscht: Beteiligung der Bürger!

“Community theatre” has had quite some success in the last few years. Theater pieces that are developed by amateurs in professional conditions have brought new subjects and forms onto the stage. There is no “community theatre” in Freiburg, but there has been a search for participative plays for many years. It is thus time to serve as a host for ten international productions. The festival also presents British “community theatre” and looks to the edges of Europe where the political situation almost demands a new theater art.

 

Die Jury und ihre Auswahlkriterien

Für das 3. Internationale Bürgerbühnenfestival trat zum ersten Mal eine Fachjury zusammen. Ein erweiterter Kreis von internationalen Theatermacher*innen versorgte die Jury zusätzlich mit Tipps und fungierte als „Scout“. Im Zeitraum von Mai 2016 bis Februar 2017 wurden rund 100 Produktionen gesichtet und die Programmauswahl in insgesamt drei Sitzungen beschlossen. Folgende Fragen hat sich die Jury über die zur Auswahl stehenden Produktionen gestellt: Haben die Beteiligten auf der Bühne ein Bewusstsein für ihre Wirkung? Wissen sie, was sie auf der Bühne tun und vertreten bzw. mit welchen Mitteln sie etwas vertreten? Sind die Beteiligten eingebunden in den Rechercheprozess und damit Mitautor*innen der Produktion? Sind sie verbunden mit den ästhetischen Mitteln, die gewählt wurden? Gibt es eine Mitgestaltung bei der Ästhetik? Gibt es eine interessante Grundkonstellation des Projektes, eine Reibung zwischen Thema, Form, Ort und den Akteuren? Hat die Produktion Potential zur Kontroverse, bringt sie Konflikte auf die Bühne anstelle eines gruppendynamischen Wohlfühlfaktors? Wie hoch ist die Qualität des Textes, wie sind dokumentarische Texte aufbereitet, gibt es verschiedene Sprachebenen? Wie gut ist die dramaturgische Konzeption, wie viele Ebenen verhandelt ein Stück, wie ist der Rhythmus? Welche spielerischen Erfindungen macht die Produktion? Hat das Theaterstück einen besonderen ästhetischen Ausdruck gefunden? Welche Setzungen gibt es im Umgang mit Raum und Kostüm? Ziel war es, im Rahmen dieser Kriterien ein breites Spektrum an Formen (neues Lehrstück, biografisches Theater, Dokumentartheater, Happening, Performance/ Tanz, Site-specific-work, Überschreibung eines existierenden Textes) zu verhandeln.